GESCHICHTE DER PHYSIKALISCHEN MEDIZIN UND ALLGEMEINEN REHABILITATION
VORGESCHICHTE UND ALTERTUM
- Bereits bei den alten Germanen aber auch bei den Navaho-Indianer
waren Schwitzbäder und Massagen mit religiös-magischen Prozeduren
verknüpft. Stattgefunden haben diese Prozeduren unter anderem
in Thermal- und Mineralquellen.
- Die ersten großen öffentliche Badeanlagen sind aus der
vorarischen Induskultur bekannt. Dabei ging es um eine körperliche
und seelische Reinigung, was man heute als erste Aspekte eines psychosomatischen
Konzeptes verstehen kann.
- Die Massage und andere Behandlungsmethoden werden um 2600 v. Chr.
in China vom chinesischen Arzt Huang-ti beschrieben.
- Auch im ägyptischen Reich findet man Darstellungen von Massage
auf einem Relief um 2300 v.Chr.
- Im 6. Jahrhundert vor Christus entwickelte Pythagoras von Samos
die Musik-Therapie. Dabei stand die Annahme im Mittelpunkt, dass Gesundheit
als Gleichgewicht zu sehen ist und Krankheit als gestörter Zustand.
Pythagoras nahm an, dass der Arzt die Wiederherstellung des Gleichgewichtes
nur unterstützt, während die eigentliche Heilung durch die
angeborene Heilkraft der Natur erfolgt.
- Zu Zeiten von Hippokrates (460-377 vor Christus) wurden in einem
Asklepion auf der Insel Kos Kranke mit Unterwassertherapie behandelt.
Auch die Ergometrie war bereits bekannt: Der Patient musste 150 Stufen
hinauf und hinunter laufen. Die dabei stehende Sanduhr zeigte den
Erfolg. Gemäß mündlicher Überlieferung soll auch
schon die elektrische Therapie zur Schmerzbehandlung praktiziert worden
sein. Als „Stromquelle“ soll der der im Mittelmeer lebende
Zitterrochen gedient haben.
- Asklepiades von Prussa (ca. 100 vor Christus) entwickelte eine
Bädertherapie (Benedum) mit Bewegungsbehandlungen und Massagen.
Seine Annahme war, dass nicht die Natur, sondern der Arzt das Heilungsgeschehen
regiert.
RENAISSANCE UND FRÜHE NEUZEIT
- Paracelsus (1494-1541) schrieb Abhandlungen über Thermal-
und Mineralbäder
- H. Boerhaave (1661-1738) propagierte das Reiten als Heilmittel
- Friedrich Hoffmann (1660-1742) beschrieb Therapieanleitungen, die
aus der Einnahme von Mineralwässer, Hydrotherapie und Bewegungsübungen
bestehen
- W. Cullen empfahl eine Hydrotherapie, wobei er aber dazu die Verabreichung
von lebensgefährlichen Mengen Alkohol vorsah
AUFKLÄRUNG, 18. UND 19. JAHRHUNDERT
Es erwachte das Interesse an natürlichen Heilmitteln,
Mitte des 18. Jahrhundert kam es zum ersten Auftreten der Elektrotherapie.
- J. Floyer führte ebenso wie Vinzenz Priessnitz (1799-1851):
Kaltwasserbehandlungen durch
- Es kommt zum Wiederaufleben der kurörtlichen Bäderbehandlung
durch Ch. W. Hufeland (1762-1836), der die Einführung der Seebäder
betrieb
- J.G. Kratzenstein verwendete zu Therapiezwecken eine Reibungs-Elektrisiermaschine,
andere elektrische Geräte wurden von Galvani, Volta, und F.A.
Messmer eingesetzt
- Sebastian Kneipp (1821-1897) machte sich Verdienste um die Weiterentwicklung
der Hydrotherapie
- Die Kunst der Massage und manuellen Behandlung, die in der westlichen
Medizin in Vergessenheit geraten war, wird durch die ägyptischen
Feldzüge von Napoleon (1798), die die türkische Massage
nach Europa bringen, wiederbelebt.
- in Stockholm begründete P.H. Ling (1776 - 1839) das Zentralinstitutes
für Heilgymnastik und Massage, auf das die heutige klassische
oder schwedische Massage zurückgeführt wird.
ENTWICKLUNG BIS ZUR GEGENWART
Im 19. Jahrhundert begannen sich die medizinischen Universitäten
den natürlichen Heilmethoden nicht mehr zu verschließen.
- Wilhelm Winternitz, der den ersten Lehrstuhl für Hydrotherapie
an der Universität Wien innehatte, gab ein 3-bändiges „Lehrbuch
der Hydrotherapie auf physiologischer und klinischer Grundlage“
in den Jahren 1877-1880 heraus.
- Die Gründung des Lehrstuhles für „Hydro-, Mechano-
und Elektrotherapie“ erfolgte in München Ende des 19. Jahrhunderts.
- 1925 eröffnete des Jenaer Universitätsinstitut für
physikalische Medizin
HYDRO-THERMOTHERAPIE
- 1936 tauchte in Berlin die Finnische Sauna bei den Olympischen Spielen
wieder auf und wurde seither schnell populär im Rest von Europa
und den USA
BALNEOTHERAPIE
- Die erste Ansätze einer wissenschaftlichen Untersuchung von
Bade- und Trinkkuren wurden von Paracelsus im 16. Jahrhundert durchgeführt
- Im 19. Jahrhundert kam es durch C. Gollwitz-Meyer, Beneke, Groedel
und St. Hediger zum Aufschwung der Bäderbehandlung:
- Am Beginn des 20. Jahrhundert wurden balneologische Forschungsinstitute
in Europa und Japan geschaffen
KLIMABEHANDLUNG
- Ende des 18. Jahrhunderts führte Hufeland die Seebäder-behandlung
in der Kinderheilkunde ein
- Mitte des 19. Jahrhundert etablierte A. Rikli die „Freiluftkur“
zur Therapie der Lungentuberkulose und H. Brehmer gründete die
ersten Tuberkulose-Heilstätte in Görbersdorf (Schlesien)
- in Davos führte Spengler seit der Mitte des 19. Jahrhunderts
die alpine Klimatherapie durch
- die Thalasso-Therapie (Meerküstenklima-Therapie) wurde im
19. Jahrhundert populär
HOCHFREQUENTE ELEKTRO-THERAPIE
- 1892 führte A. d´Arsonval Ganzkörperbehandlungen
mit hochfrequenten Tesla-Strömen durch
- an der Wende des 19 zum 20. Jahrhundert setzte V. Zeynek: seine
Diathermie (Durchwärmung) mit langwelligen Hochfrequenz-strömen
zu Therapiezwecken ein. Weiterentwickelt wurde diese Therapie von
J. Kowarschik in Wien. 1926 wurde diese durch die Kurzwellen-Diathermie
(aus Fernmeldetechnischen Gründen) ersetzt. Federführend
waren E. Schliephake in Deutschland und Scherewsky in den USA
- Mikrowelle und Ultraschall, Nebenprodukte der Kriegstechnik, fanden
nach dem 2. Weltkrieg erste therapeutische Anwendung
- Mitte der 60-iger Jahre des 20. Jahrhunderts kam die Dezimeterwelle
zum Einsatz.
BEWEGUNGSTHERAPIE
- 1778 veröffentlichte der Schweizer J. C. Tissot:ein Werk über
„Medizinische und Chirurgische Gymnastik“, das großen
Einfluß hatte.
- Anfang des 19. Jahrhundert, systemisierte J.P. Ling die sog. „schwedische
Gymnastik“
- 1865 fand die von G. Zander propagierte „medico-mechanische“
Therapie mit Apparaten eine große Ausbreitung in Amerika und
Europa
- In der Zeit der Napoleonischen Kriege versuchte der deutsche „Turnvater“
J. F. Jahn (1778-1852) seinem Volk die Körper-ertüchtigung
durch Bewegungsübungen nahezubringen
- in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts führte J. Stokes
Übungs-therapien bei Herzkrankheiten ein.
- 1904 entwickelte R. Klapp eine Skoliosebehandlung mit Kriech-übungen
- De Lorme (USA) nutzte das Prinzip der progressiven Widerstands-übungen
für seine Therapien
- C.A. Lowman in den USA schuf eine Unterwasser-Bewegungs-therapie
zur Behandlung neurologischer Schäden
- Kabat in den USA und Bobath in England berufen sich auf neurophysiologische
Grundlagen für ihre neurorehabiliative Krankengymnastik
LICHT-STRAHLENTHERAPIE
- 1899 führte der dänische Arzt N.R. Finsen (1860-1904)
die erste Therapie des Lupus vulgaris mit künstlichen UV-Strahlen
durch
- 1902 führten Bernhard in St. Moritz und 1904 A. Rollier in
Leysin die Hochgebirgs-Heliotherapie der Tuberkulose ein
- 1920 wurde der antirachitische Effekt der UV-Strahlung bekannt
und therapeutisch genutzt
NIEDERFREQUENTE ELEKTROTHERAPIE
- im 19. Jahrhundert wurden von Duchenne, Erb, Lapicque und Bourguinon
Niederfrequenzströme für Diagnose und Therapie angewendet
- Besonders die Rehabilitation nach dem 2. Weltkrieg und auch dem
Vietnamkrieg förderte die Entwicklung verschiedenster Strom-formen
und Elektrotherapie-Geräte.
Quellen:
Information des Institutes für Physikalische Medizin der Krankenanstalt
Rudolfstiftung der Stadt Wien; ORF-Info-Mappe zur Sendung „Der Radiodoktor“
vom 15.12.2003
Lehrbuch der Physikalischen Medizin und allgemeinen Rehabilitation, Gustav Fischer
Verlag, 1995
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